Klosterplatz 2

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Klosterplatz 2 (66), Ecke der Fischmarktgasse 5, heißt auch jetzt noch die „Drei Eichen“; die Bezeichnung fand ich zuerst 1492  ) - Das Haus brannte 1817 ab und wurde neu aufgebaut von Johann Gottlob Ludwig Weider, der, aus Köthen in Anhalt stammend, 1782 Bürgerrecht nahm. Vom alten Hause wurden übernommen das Barockportal mit einem Schlußsteine, auf dem ein Allianzwappen sich findet. Von den zwei Wappen ist das mit der Sau das Beyerische, das andere ist mir unbekannt. Ueber dem Wappen findet sich ein Sandstein, auf dem drei Eichen stehen, mit der Inschrift: Unter den Eichen, abgebrannt am 30. Juli 1817, erbaut im Jahre 1818 von J.G.L. Weider. Die oft wiederholte Behauptung, daß das Haus dem reichen Hans Frenzel gehört habe, ist bestimmt unrichtig ). Das Haus war ein Brauhof und hatte einen großen Umfang; denn zu Klosterplatz 2 gehört auch jetzt noch Nr. 3; 1585 hatte das Grundstück 4 Mietungen, und es lebten in ihm 22 Menschen. Hinter dem Gebäude lag einst ein einträglicher Obstgarten. 1572 wurden 6 Wagen Malefizpersonen, die für die Galeeren bestimmt waren, dort eingesetzt  ). Der damalige Besitzer war Georg Tröger, der 1574 Büchsenkönig wurde; er war schon 1537 im Besitze. 1512-1514 gehörte das Haus der Witwe des Matthias Axt, 1591 dem Jacob Gründel, 1675 dem Landphysikus Dr. Johann Beyer, 1700, 1718 den Erben der Dorothea Beyer, geb. Tobias, 1725 der Anna Margaretha Nicius, geb. Beyer, Witwe des Stadtsteuereinnehmers Mag. Jacob Nicius (gest. 1715), 1757 der Frau Johanna Friderike, geb. Nicius, Frau des Pastors prim. Johann Daniel Geißler (gest. 1760), 1775 dem Johann Georg Stoffel, Kaufmann aus Lindau am Bodensee (gest. 1778), 1790, 1813 dem Joh. Gottlob Ludwig Weider, der das Haus nach der erwähnten Feuersbrunst aufbaute; in dessen Familie blieb es bis 1889. Dann besaß es kurze Zeit der Maurermeister Julius Grosser, von dem es 1892 die Stadt kaufte. 1637 quartierte hier bei der Huldigung des Kurfürsten Johann Georgs I. der Dekan von Bautzen, Catmann, der dort das Bildnis der heiligen Maria und der Heiligen Bartholomäus und Laurentius durch den Maler Kaulfers aus Friedland herstellen ließ ). 1757 war daselbst ein Lazarett ). Das Seitengebäude Klosterplatz 3 wurde 1840 von Karl August Weider mit 10 Kaufläden erbaut, es trägt augenscheinlich Biedermeierstil. 1892 kaufte die Nummer 3 die Stadt.

Marstall (71) war ein tiefes, bis zur Stadtmauer gehendes Gebäude, dort, wo jetzt Klosterstraße 2 und 3 und Straßenfläche sich befinden. Am 19. Januar 1853 fiel seine Vorderseite nach dem Kloster ein und begrub die 15-jährige Tochter des Marstallpächters Lehmann. Hinter dem Marstalle an der Stadtmauer befand sich eine Bastei, die sogenannte Franzosenbastei; sie lag bis 1824 in Ruinen und wurde damals zu einem Lagerungshause neu gebaut. Der 1853 eingestürzte Marstall war 1750 ff. gebaut. Er befand sich seit 1501 an dieser Stelle. Damals kaufte der Rat eine Hausstelle dort und richtete Sie für den Zweck ein ). Früher lag der Marstall wohl an der Ecke der Breitengasse und des Obermarktes; 1398 gab es zwei Marställe ). 1379 verkaufen die Kirchenmeister Franz Sugtorf. und Peter Rote den alten Marstall an Senfteleben, dieser 1380 an Fladin  ).

 

 

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