Klosterplatz

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Name Klosterplatz existiert erst seit 1855; später wurden mehrere seiner Häuser der Klostergasse zugewiesen.

Klosterplatz 8-12 (72-76) gehörte kleinen Leuten, Fächern, Tuchmachern, Tischlern, Hutmachern, Kürschnern, Bürstenbindern, Schwertfegern. Nr. 13, das ehedem vor 1675 aus zwei Häusern bestand, besaß 1718 und 1725 der Stadtrichter und Bürgermeister Christian Hagendorn (gest. 1731), dann Benjamin Traugott Hagendorn auf Nieder-Girbigsdorf (gest. 1777).

Am ehemaligen sehr engen und wegen der hohen Klostermauer dunklen Klostergäßchen liegen die Nummern Klosterplatz 15, 16, 17, 18; sie sind erst 1611 als besondere Häuser in den Geschoßbüchern geführt ), Nr. 18 wurde später zu Obermarkt 2 geschlagen.

Zu erwähnen ist noch, daß der Raum südlich am Kloster um 1850 der Flachsmarkt hieß.

Kloster.

Das alte Gymnasium wurde früher allgemein als Kloster bezeichnet, weil nach Aufhebung des Franziskanerklosters die Räume seit 1565 für die Schule und als Wohnhäuser für die Lehrer in Anspruch genommen wurden. Der Bau war mit der Zeit in so schlechten Zustand gekommen, daß man von 1836 bis 1853 Pläne über Pläne für ein neues Gebäude ausarbeitete. Die Verhandlungen waren nicht allein deshalb schwierig, weil die Stadtbehörden hin und her schwankten, sondern auch die oberste Baubehörde in Berlin, ja der kunstsinnige Friedrich Wilhelm IV., der am 1. Juni 1844 das Gymnasium selbst in Augenschein genommen hatte, vornehmlich wegen des Kunstwertes mit drein redeten. Der berühmte Baumeister Schinkel selbst war im Juli 1837 zur Besichtigung hier, ebenso sprachen der Konservator Quast, der Geheime Oberbaurat Stieler, der in der Sache selbst an höchster Stelle Vortrag hielt, und die Regierung in Liegnitz ein gewichtiges Wort. Endlich einigte man sich für einen vollständigen Neubau. Seit 1836 wurden die alten Räume nicht allein für das Gymnasium, sondern auch für die emporstrebende Höhere Bürgerschule unter Kaumann mit benutzt.

Der Grundstein zum neuen Gebäude wurde am 28. August 1854 gelegt, die Einweihung geschah. am 15. Oktober 1856 ).
Es ist hier nicht der Ort, über die Baugeschichte des alten Klosters und Gymnasiums zu reden ), das bedingt eine besondere Arbeit. Wir besitzen aus dem Jahre 1812 einen Plan von Gottfried Schultz. Das Kloster war seit den Zeiten der Mönche durch Kreuzgewölbe von der Barbarakapelle und dem Chor der Kirche her mit der Klosterkirche verbunden. Das Haupteingangstor lag im Zuge einer Mauer, die etwa von der Mitte der westlichen Seite der Klosterkirche bis zum Klostergässel ging. Die Pforte war 1567 erbaut, wie eine Jahreszahl bewies, und war oben am Giebel mit drei Figuren geschmückt. Hier auf der steinernen Bank rechts vom Portale wurde der schwedische Fähnrich Johann Löst wegen angeblicher Feigheit am 22. August 1641 standrechtlich erschossen ). Das Tor wurde samt der Mauer und des Kustos (Aedituus) Wohnung, die sich innerhalb westlich an die Mauer lehnte, 1848 abgebrochen und nebst den Figuren „beiseitegesetzt“. Man trat durch die Pforte in den vorderen Klosterhof, der südlich durch das Rektoratsgebäude begrenzt war. Ein südlicher Flügel, der mit dem Rektorat zusammenhing, mußte schon 1836 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Das Rektoratsgebäude, das 1717 fast neu gebaut wurde, reichte nach Westen bis zum Klostergässel und umschloß den inneren Schulhof, in dessen Mitte eine Rohrbütte an einer alten Linde stand. Die anderen nach Ost sich erstreckenden Gebäude enthielten die Schulklassen und im Oberstock die Wohnung des Konrektors, Subrektors und des ersten und zweiten Kollegen. Nach Osten zu innerhalb der Gebäude lag ein kleines Gärtchen, „das Ölberggärtel“, an die Kirche anstoßend, so genannt nach einem Bildnis, auf dem Christus auf dem Ölberge kniend lag. Die Südseite (zum Teil) und die Ostseite bis zum Schwibbogen hatten nach außen einen Garten. Das Ganze war mit einer Mauer umgeben und reichte im Westen und Süden erheblich weiter als das jetzige Gymnasium.

Alte Ansichten des Äußeren und auch innerer Teile des Klosters sind vorhanden, anziehend namentlich sind die gotischen Formen der Süd- und Ostseite.

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