Karpfengrund

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Krebsgasse, Karpfengrund, Kirchgäßchen,
Petrikirchof, Bei der Peterskirche.

Diese Stadtteile liegen um die Peterskirche herum.

Die Krebsgasse hat seit 1855 7 Nummern; die sie im Norden nach der Stadtmauer zu abschließenden zwei Häuser werden jetzt zum Karpfengrund, der im Bogen bis zur Nikolaigasse reicht und 9 Nummern enthält; „Bei der Peterskirche“ liegen die 9 Gebäude, die mit der Ostecke der Krebsgasse beginnen und um die Kirche nach Norden herum bis zur Ecke des Hainwaldes reichen. Das Kirchgäßchen verbindet die Krebsgasse mit dem Platze vor der Peterskirche am Hauptportale und hat keine besonders numerierten Gebäude.

Um 1310 liest man „Hof hinter dem Krebis“. Danach ist der Krebs ein Haus gewesen, 1336 findet sich ein Haus in der Krebisgasse, 1353 ein Hof in der Krebisgasse, den „herr Johannes der pryster“ hat ), 1390 und 1392 wird die Stadtmauer in der Krebisgasse genannt ).

Für Karpfengrund finde ich über 1691 hinaus keinen Beleg, „Ein altes Verzeichnis der Gassen der inneren Stadt nennt den Ratzensprung und den Hechtschlund“  ), worunter wohl der jetzige Karpfengrund zu verstehen ist, um 1820 fand ich auch „Karpfenschlung“. Der Name mag daher stammen, daß an dem Orte lebende Fische verkauft wurden, freilich fand ich keinerlei sonstige Nachrichten hiervon.

Die Bezeichnung Petrikirchhof ist noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts lebendig, zuerst fand ich sie 1317, wo das cimiterium (Begräbnisstelle) der Peterskirche und Nikolaikirche genannt wird ), 1337 liest man von einem Garten, der neben dem cimiterium domicellorum ) (Kirchhof für Adelige) liegt ), das weist doch auf den Peterskirchhof hin, wohin sich also die adeligen Geschlechter begraben ließen. Im 18. Jahrhundert hießen so die Häuser, die im Westen und Südwesten der Hauptpforte der Peterskirche am Platze bis zum Kirchgäßchen liegen (Hypothekennummer 306, 307 a, b und 308 oder Bei der Peterskirche Nr. 2 [abgerissen], 3, 4 und 5 ), 1728 findet man Krebs- oder Kirchgäßchen. Daß die dortigen Häuser hauptsächlich von kirchlichen Beamten bewohnt wurden, ist ja klar.