Johannes-Wüsten-Straße (Kahle)

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Kahle. Der Teil vor den Mauern in der jetzigen Uferstraße an der Neiße hin bis zur heutigen Kahle, diese hinauf über die Struvestraße bis zum Marienplatz hieß früher „Kahle“. Man unterschied in diesem Straßenzuge bis zur Ressource die „Untere oder Niedere Kahle“ ), von da ab bis an das Kaufhaus Strauß die „Obere Kahle“.

Die Uferstraße wurde 1875 ausgebaut und erscheint in den Adreßbüchern erst seit 1880, die Obere Kahle heißt seit dem 1. Mai 1874 Struvestraße. Nur an dem mittleren Teil haftet bis jetzt noch der uralte Name Kahle. Seit Ende 1850 entsteht der Name Friedrich-Wilhelm-Straße, früher hieß dieser die Kahle durchschneidende Weg der Pfortenweg ). Um 1305 erscheint Calow ). Der Name bedeutet Kahle Au und fetzt sich dem alten Namen Drewno = Hainwald, bewaldete Stelle, entgegen ). 1403 waren in der Kahle nach dem verlorenen Geschoßbuche 35 Wirte ). 1391 heißt die Form auch Kala ). 1405, wohl um dem 1. September, wurden in der Kahle beim Rademarkt, also etwa auf dem jetzigen Marienplatz, vier Aufrührer, die man von Zittau her, auf Wagen geschmiedet, gebracht hatte, gerichtet ).

In der Kahle lag der Judenkirchhof. Er scheint eine ziemliche Ausdehnung gehabt zu haben, denn Gräber und Knochen fand man beim Bau der Friedrich-Wilhelm-Straße 5 und Kahle 2 und 3. Nach der Stadtmauer zu stand auf dem Judenkirchhofe eine Bastei ). Die erste Erwähnung des Judenkirchhofes fand ich um 1325, die letzte als Bezeichnung eines Gartens 1596 ). -

Es gab ein Kahletor, jetzt Ochsenbastei genannt, ein zweites Kahletor stand gegen 1850 nach der Waegeschen Karte etwas östlich vom Marienplatze. -

Die Loge in der Kahle ist 1863/64 gebaut. Früher hatte die Loge in Neißstraße 30, 2 Treppen (Webergassenseite), als Erbpächterin ihren Sitz.

Der Judenkirchhof.

Der alte Judenkirchhof lag in der Kahle und erscheint nach der Vertreibung der Juden (1350) als Garten. Hinter der Ressource und an der Friedrich-Wilhelm-Straße fanden sich noch neuerdings Reihengräber, wohl aus dem 14. Jahrhundert ). Vielleicht legten die um 1383 zurückkehrenden Juden einen neuen Friedhof an (1385) ). Möglicherweise lag er an der Teichstraße ). Knauthe ) meint ohne Angabe einer Quelle, er habe an den Hältern bei dem Kreuztore gelegen. - Der neue Judenkirchhof (Hypothekennummer 860) wurde 1860 an der Biesnitzer Straße angelegt.