Hugo-Keller-Straße (Jüdenring)

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Jüdenring.

Der Name stieß mir zum ersten Male 1493 auf ). Doch ist es wohl sicher, daß der frühere Name „Neue Judengasse“ war ). Freilich gab es 1496 auch ein Haus am „Alten Judenringe ). Die Juden mögen, nachdem sie 1350 vertrieben waren, bei ihrer Rückkehr 1383 dort sich angesiedelt haben. Hier stand wohl auch ihre Judenschule, die 1389 die Stadt in die Hände bekam ). Nach dem Pestzettel befanden sich 1585 auf dem Jüdenringe 22 Häuser mit 169 Bewohnern. Das 17. und 18. Jahrhundert brachte durch die Belagerung und verschiedene Brände 1642, 1691 und 1717 schlimme Verwüstungen, deren Spuren bis ins 19. Jahrhundert reichten. Gegenüber der ausmündenden Breitengasse stand bis 1855 ein altes schlechtes Gebäude, die Pichhütte für die Böttcher zum pichen ihrer Gefäße, denn innerhalb der Gassen durften sie diese Hantierung wegen Feuergefährlichkeit nicht vornehmen. Um dieselbe Zeit fand durch Abbrechung der Stadtmauern und Ausfüllung der Stadtgräben und Erbauung der Kaserne 1854 ff. eine völlige Umgestaltung des Jüdenringes statt. Auf ihm wurde um 1770 der Roßmarkt und weiter hinunter der Ochsen- und Kuhmarkt abgehalten, auch standen Tuchrähmen dort ). —