Hotherstraße

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Kuttelhof (Schlachthof) war gelegen an der Neiße am nördlichen Ausgang der Hotergasse ). Nördlich an den Kuttelhof stieß um 1565 der Rähmhof der Tuchmacher, ein Gelände, das sich ziemlich weit nach Westen erstreckte und das 1560 von Bäumen und Sträuchern befreit wurde ).

Hotergasse. Sie kommt zuerst um 1305 vor in der Form Hotergasse, Hotirgasse, Hottergasse ). Der Vokal o beweist, daß die Erklärung Huter (Hutmacher)gasse nicht aufrecht erhalten werden kann, zumal da der Eigenname Huter (pilleator) nachzuweisen ist ). 1432 findet man vereinzelt Ottergasse ). Der Name Hotergasse findet sich auch in Pirna ), in Brünn (als Huttergasse), in Brieg ). Es scheint beinahe, als stamme der Name aus der Vorkolonisationszeit und sei mit dem altniederländischen hoter = Gerber zusammenzubringen ).

Gerber konnten gar wohl auch vor Erbauung der Stadt Görlitz ihren Sitz hier haben. Ein altes Geschoßregister aus dem Jahre 1403 führt 21 Wirte an, worunter den Müller zu den Vierraden und den Walker. Der niedrige Preis und der häufige Besitzwechsel beweisen, daß die Gebäude wenig festen Bestand hatten ). Sie waren wohl ursprünglich alle aus Holz. Jetzt zeigt das Adreßbuch mit den Nummern der abgebrochenen Vierradenmühle und den Beihäusern 39 Nummern. Außer Gerberhäusern fanden sich in der Hotergasse „Meistereien“ der Tuchmacher und Färbestuben. Zwei Tore im Norden und Süden schlossen die Gasse ab. Am niederen Tor östlich stand um 1770 das Tuchmacherfärbehaus Hotergasse 2 (685), ein großes, weitläufiges Gebäude, gegenüber lag das Schustergerberhaus ).

Das Feuer hat die Hotergasse wiederholt heimgesucht, so 1537, 1691 (wo fast alle Häuser abbrannten), 1807, 1813 ), 1845. Am 29. Juni 1845 brannten die Häuser Nr. 32, 33, 34 darnieder. Viel litt die Hotergasse, die ja außerhalb der Stadtmauern lag, in der Belagerung von 1641, wo die belagernden Truppen sie besetzten und die belagerten Schweden an der Benutzung der Brücke hindern wollten. -

Der Oberlausitzer Geschichtsschreiber Christoph Manlius (1546—1573) ist als Sohn des Tuchmachers Männchen in der Hotergasse geboren. - Große Veränderungen geschahen 1928 nach der Brücke zu, wo die Stadt die Vierradenmühle und ihre Beihäuser abbrach und ein schönes Stadtmauerbild sozusagen neu entdeckt wurde.

 

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