Helle Gasse

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

„Die Helle“ (Infernum) findet sich auch sonst als ziemlich häufig vorkommender topographischer Name, der mit Hölle, wie oft geschrieben, nichts zu tun hat, sondern wohl die Bezeichnung von ganz oder teilweise entwaldeten Höhen ist, wie denn die Helle von der Gegend der Nikolaikirche betrachtet auf der entwaldeten Höhe lag.

Die Hellegasse
(Oelschlägergasse, Pechgasse, Kolditzergasse).

Die Gasse hat jetzt mit den Eckhäusern 16 Nummern. Die Brände von 1642, 1691 und 1717 haben viele Veränderungen geschaffen. 1728 hat sie nach der Karte von Johann Wilhelm Gehler nur 9 Nummern. Denn damals war die ganze Ostseite ohne eigentliche besondere Häuser, weil die Grundstücke vom Untermarkt (Pilzläuben) und die zwei nächsten Häuser (bis zur Rosengasse), die Häuser der westlichen Jüdengasse, dazu die zwei Grundstücke der westlichen Rosengasse, ferner weiterhin Häuser der Jüdengasse bis zur Hellegasse durchgingen. Ein anderer Name für Hellegasse ist Ölschlägergasse, beide werden von Gehler gleichgesetzt. Knauthe in der Topographie von Görlitz, S. 56, sagt dagegen: „Die Oelschlägergasse ist der niedere Teil der Hellegasse“, womit übereinstimmt, daß 1559 ) die Bezeichnung sich findet „am Jüdenringe in der Ölschlägergasse“. Noch mehr Verwirrung in die Namensgebung bringt der Pestzettel des Barth. Scultetus 1585/86, er unterscheidet
1. Hellegäßlein,
2. Büttnergasse oder Ölschlägergasse,
3. Gasse bei dem Leimkretscham (jetzt Hellegasse 7, siehe unten).

Mit der zweiten Benennung Ölschlägergasse, über die das Nähere bei der Büttnergasse weiter unten gesagt ist, stimmt überein eine Bemerkung aus dem Jahre 1466  ): „Haus an der Ölschlägergasse zunächst dem Hundsloche“ (an der Stadtmauer). Auf einem merkwürdigen Versehen beruht es, wenn 1806, und zwar in einem offiziellen Schriftstück, die Apothekergasse mehrere Male Ölschlägergasse genannt wird. Ein dritter Name dieser Gegend ist Pechgasse. Scultet schreibt in seinem Diarium consulare 1593 S. 446: „Hans Othmann hat Hansen Röber sein Haus, so man den Leimenkretscham, in der Pechgasse gelegen, nennt, abgekauft ).“ Die Pechgasse finde ich zuerst 1403. Sie muß sich auch über die niedere Langengasse erstreckt haben, denn das letzte Haus ist 1403 die Fleischerstube (an der Fleischergasse). Auch hat sie 1403 18 Wirte. Endlich liest man in demselben Jahre noch „Pechgasse oder Kawldiczergasse“, 1408 auch Kotzengasse ). Kolditzergasse, 1461 auch Kalczer- und 1462 Kaulcergasse genannt ), geht wohl auf einen Personennamen zurück, sie wird erwähnt 1361 bis 1462 ). Soviel scheint mir sicher, daß selbst die Zeitgenossen die Gasse oder Gassen mit verschiedenen Namen bezeichnet haben. Der Bürgermeister Neumann schreibt in seiner Topographie unter Jüdengasse: „Das Geschoßbuch von 1403 begreift die Jüdengasse mit unter den 43 Wirten der Ölschlägergasse“, und unter Kolditzergasse: „Die Kolditzer- auch Pechgasse hat 1403 18 Wirte“ ).

Eine besondere Beachtung verdient der Leimkretscham, jetzt Hellegasse 7 (235). Ob der Name von Lehm (Leimen) oder von Lein (linum) im Sinne der Gassenbezeichnung Ölschlägergasse zu erklären sei, sei dahingestellt. Die Chroniken schreiben: Vor der Stadtgründung hätte es drei Kretschame gegeben: die Helle, den Leimkretscham und einen auf dem Graben vor dem Niklastore, eine Meinung, die wahrscheinlich von einem Gelehrten des 16. Jahrhunderts ausgesprochen ist. Eberhardt Stange hat in mühseliger Forschung herausgebracht, daß vor dem Brande von 1691 der Leimkretscham auf den jetzigen Grundstücken Hellegasse 7 und 8 und nach Westen zu auf den Grundstücken Büttnergasse 23 und 22 gestanden hat. Er war ein Brauhof. Die früheren Besitzer sind noch nicht systematisch erforscht. 1675 war Besitzer Bartholomäus Summer, Kaufmann und Herr auf Girbigsdorf und Klein-Biesnitz (gest. 1686). Seit 1691 lag der Brauhof zunächst wüst. - Hellegasse 16 war ursprünglich ein Malz- und Darrhaus und Hinterhaus zu dem Eckhaus Jüdengasse 2 (257) und Rosengasse 11, es wurde 1852 abgetrennt und neu erbaut.