Dicker Turm (Frauenturm)

Der Dicke Turm (Frauenturm) wurde im Zusammenhang mit der Stadterweiterung 1250 erbaut und war seit dieser Zeit Bestandteil der Stadtbefestigung. Er gehörte zu den massivsten Türmen der Stadt. Seine Mauerstärke beträgt im unteren Teil 5,38 m.

Südlich des Turmes befand sich ursprünglich das Frauentor, eine dreifache Toranlage, welche 1847/48 abgebrochen wurde.

Das Frauentor markierte den für den Handelsverkehr wichtigen Zugang zur Stadt aus südlicher Richtung. Das an der Südseite des Turmes sichtbare Sandsteinrelief stammt vom Frauentor, wo es 1477 angebracht wurde. Es zeigt das 1433 von Kaiser Sigismund der Stadt verliehene Stadtwappen, flankiert von 2 Figuren (Maria und Barbara). Die Wappeninschrift: „INVIA VIRTUTI NULLA EST VIA“ („Der Tapferkeit ist kein Weg unmöglich“) steht im Zusammenhang mit dem Widerstand der Stadt Görlitz gegen die Hussitenheere in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Frauenturm und Frauentor.

Der Turm ist bei der Erweiterung der Stadt um 1250 gebaut. Um 1305 liest man vom Steintore und Steinturme ), so auch 1399, um 1400 vom Zittauer (Setischen) Turme ). Jetzt hat sich die Bezeichnung „Dicker Turm“ oder „Frauenturm“ festgesetzt. Man findet in neuerer Zeit die Meinung, er sei ursprünglich Schloßturm gewesen als ein Teil des landesherrlichen Schlosses, das in seiner Nähe stand. Aber dieses Schloß ist erst 1364 gebaut, so war er von Anfang an Stadtturm ). Die Stärke der unteren Mauer beträgt 5,34 Meter. Der Turm zeigt einen schlichten zylindrischen Bau, nur das oberste Stockwerk ist durch „Fachbodenblenden“ gegliedert; die Haube, deren Spitze ehedem viel höher war, baut sich von unten achteckig auf. Auf der Ostseite ist ein „heimliches Gemach“ angebracht. An der Nordseite nach der Steingasse zu ist vom Grunde aus in engster Verbindung mit dem Hauptturme ein schmales, rundes Türmchen bis zur halben Höhe desselben angebaut, in das von unten auf eine freie Treppe führt, die den Aufstieg zum Turm ermöglicht. Schon 1399 ist von einer Treppe an dem Turme bei dem Steintore die Rede ), sie steht wohl noch heute an dieser Stelle. In die Südseite ist seit 1856 das Wappen der Stadt, das früher am äußeren Frauentore angebracht war, eingeben; es wird umgeben von den Steinbildern der Maria und Barbara und zeigt die Inschrift: Invia virtuti nulla est via (Kein Weg ist für die Mannheit unwegsam) 1477. 1475 wurde dieses Wappen an den Steinmetz verdingt, 1478 erhält Meister Jorge Maler (wohnte Weberstraße 4, siehe oben S. 411) dafür Bezahlung ), 1420 erhält der Wächter auf dem Zittauischen Turme ein neues Horn ) (erst im Oktober 1904 wurden hier und auch auf den anderen Tortürmen die Turmwächter abgeschafft). Knauthe ) erzählt nach einer mir unbekannten Quelle: Der Turm habe seit Abbruch des Schlosses (1474) „unbrauchbar“ dagestanden und sei zerfallen. 1529 habe man ein Stübchen und Kammern für den Wächter eingebaut. Eine Glocke zog man 1532 auf und bestellte einen Wächter, der die Stunden nach dem Ratsseiger anschlug ). Bis auf die Haube hat sich seit fast 700 Jahren an dem Turm als solchem kaum etwas geändert.

Die Toranlage war dreifach: Das innere Tor gegen die Stadt war auf beiden Seiten mit der Stadtmauer verbunden und stand noch vor dem Turme in der Steingasse; das mittlere, über dem sich ein Gebäude befand und wo die Durchfahrt oben gewölbt war, hatte ein starkes, von Brettern gefertigtes und mit eisernen Schuhen versehenes Fallgatter, welches durch Räder abgelassen und wieder aufgezogen werden konnte. Das dritte war ein ansehnliches und starkes Gebäude (Bastei), welches aus dem Graben auf beiden Seiten mit starken Mauern und vorn gleich, auf den beiden Seiten aber rund aufgeführt war ). Dann folgte nach Süden die Brücke. 1595 baute man sie von Grund auf steinern, führte 3 Pfeiler auf und schloß darüber 2 Bogen. Unmittelbar am äußeren Tore war eine kleine Aufzugsbrücke, die 1772 durch eine steinerne ersetzt wurde ). 1778 wurde das Fallgatter abgetan. 1838 wurden die 2 inneren Tore nebst der Nagelschmiede, die im Süden neben der Annenkapelle lag ), abgebrochen, 1847 und 1848 das übrige Frauentor und die Brücke beseitigt und der Graben gefüllt.

 

Literatur:

weiterführende Texte: