Brüderstraße 18 / Obermarkt 34

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Das Eckhaus Brüdergasse 18 oder Obermarkt 34 (18) reicht über den Schwibbogen bis zum Klosterplatz. Das jetzige Vorderhaus steht seit 1819, erbaut „wegen des miserablen Baustandes“ durch den Besitzer, den Bauschreiber Ernst Franke. Das Hinterhaus ist schon 1790 von Joh. Gottlob Geißler (gest. 1797), Stadthauptmann und seit 1766 Gemahl der Christine Friederike geb. Riech, verwitweten Meißner, einstöckig aufgeführt, wobei dem Erbauer wegen seiner „gegen die Stadt geäußerten favorabeln Gesinnung“ erlaubt wurde, das Gebäude 5 Ellen auf die Strafe vorrücken zu dürfen. Dabei wurden, wie oben angedeutet, in einem Gewölbe, das wohl die Grundmauer eines Turmes war, Schüsseln, kleine Krüge und Trinkgefäße gefunden. Eine alte Zeichnung erweist, daß das Vorderhaus nach der Brüdergasse ebenso wie die drei folgenden (Nr. 17, 16 und 15) nach Ost sich anschließenden Häuser alte Giebel trugen, wie wir einen solchen noch bei Nr. 17 sehen. Der Schwibbogen ist nach einem gleichzeitigen Bericht im Jahre 1533 ) von dem damaligen Besitzer Jeronymus Schneider (gest. 1563) erbaut; damit stimmen auch die noch erhaltenen Stilformen überein. Im 15. Jahrhundert wohnten lange Zeit Gregor und Balthasar Landreiter in dem Eckhaus, 1557, 1575 Hans Leyse, 1632, 1637 der Stadtschreiber und Bürgermeister Daniel Richter (gest. 1658); dessen Sohn, der Bürgermeister Elias Richter (gest. 1699), baute das Haus 1692 (eine alte Wetterfahne fand sich noch mit dieser Jahreszahl), das Eingangsportal trug die Formen aus dieser Zeit. Um 1700 war Besitzer der Pfälzisch-Heidelberger Küchenmeister a.D. Johann Jakob Vollhardt (gest. 1711), Herr aus Nieder-Moys. Dann erbte von seiner Mutter, des Tuchmachers Christian Riech (gest. 1724) Frau, das Haus der noch jetzt rühmlich bekannte Syndikus und Bürgermeister Daniel Riech. Durch Erbschaft ebenfalls erhielt es dessen Schwiegersohn Joh. Gottlob Geißler (s. oben). Seit 1869 ist es der Goldschmiedfamilie Hoer zu eigen. Zu erwähnen ist noch, daß von 1573 bis 1575 der bekannte Meistersänger Adam Puschmann hier mietweise wohnte, vorher von 1569 bis 1572 lebte er in Brüdergasse 13 bei Peter Frenzel.