Brüderstraße 11

Das Hallenhaus Görlitz, Brüderstraße 11 ist geprägt durch eine typisch Roßkopf´sche Fassade mit ihrer waagerechten Gliederung in Fensterbänder und den zwischen den Fenstern befindlichen Pilastern, wie sie an vielen anderen Bauten Wendel Roßkopfs zu finden sind.

Das Haus ist auf das Jahr 1547 datiert und damit eines der letzten Werke, die uns Roßkopf hinterlassen hat. Deutlich ist in dem rechten Zwickel des Portals sein Monogramm und die Jahreszahl zu erkennen.

Der gebogene Architrav stellt im Reigen der Görlitzer Renaissanceportale eine Besonderheit dar. Trotz vieler Umbauten der nachfolgenden Bauepochen sind im Inneren des Hauses die Zentralhalle und vor allem der Renaissancesaal erhalten. Er gehört zu den schönsten und vollständigsten der Görlitzer Altstadt.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nr. 11 (9) stammt in seinem meisten baulichen Zierat aus der Blüte des Görlitzer Renaissancestiles, aus dem Jahre 1547. Die beiden Obergeschosse und das Rundbogenportal beweisen das. Das Rundbogenportal ähnelt dem der goldenen Krone in Breslau und dem in Görlitz Petersgasse Nr, 7; in den Zwickeln der inneren Rundbogen stehen die Buchstaben H.S. (Hans Schmidt) und dazwischen eine Hausmarke und W.R. (Wendel Roßkopf, zwischen den Buchstaben eine undeutliche Hausmarke oder ein Steinmetzzeichen) ). Um 1895 wurden im 1. Stock die alten Fensterkonsolen herausgebrochen, später wieder etwas tiefer eingesetzt, die inneren Säulen eingemauert, eine steht noch. In dem Hause wohnte der namhafte Görlitzer Bürgermeister Johannes Pletzel (gest. um 1430), Besitzer von Zodel, Oberhalbendorf und Pfaffendorf, dann Caspar Canitz (gest. 1460), der dreimal Bürgermeister war; seit 1469 Görlitzens größter Stadtschreiber und Politiker Johannes Frauenburg (gest. 1495), der das Stadtschiff unter Georg Podjebrad und Matthias Corvinus mit großer Klugheit, aber auch Rücksichtslosigkeit leitete. Er erhielt den Hof aus der Andreas Canitzschen Erbschaftsmasse, seine erste Frau Barbara war eine geb. Canitz  ). Seine Zweite Frau und Witwe, auch Barbara, Tochter des Balthasar Landreiter, verheiratete sich mit dem Antonius Eschenloer, der der Familie des berühmten Breslauer Stadtschreibers Peter Eschenloer angehörte und nunmehr den Hof besaß. Seit 1512 erscheint als Besitzer Jorge Schmidt. Die erwähnte Hausmarke vom Jahre 1547 ließ Hans Schmidt anbringen, der um 1570 starb. 1603 hat den Hof Daniel Graupitz. Im 18. Jahrhundert finden wir als Besitzer die Familien Hausdorf und Bellmann. 1798 kaufte das Haus Joh. Gottlob Tzschaschel aus Zittau (gest. 1840), ihm folgte sein Sohn Gottlieb August Tzschaschel. Bis 1880 blieb der Hof im Besitze der Familie.

 

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