Berliner Straße

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Berliner Straße. Sie erscheint zuerst im Adreßbuch 1862, doch bloß für den südlichen Teil von der jetzigen Hospitalstraße bis zum Bahnhof. Dieser Teil hieß früher die Kleine Biesnitzer Gasse, seit 1850 Packhofgasse Das Packhofrecht wurde der Stadt 1834 verliehen. Da sich der Plan Demianis, Görlitz zum Umschlagplatz zwischen Oder und Elbe zu machen, nicht verwirklichte, wurde erst 1850 der Packhof von der Stadt auf erkauftem Gelände errichtet und nach zwei Jahren erweitert ). Der Packhof trägt jetzt die Nummer Bahnhofstraße 23 (868).

1847 und 1848 wurde die Berliner Straße (Kleine Biesnitzer Gasse), die vorher aus einem engen Hohlwege bestand - sie setzte sich nach Süden hinter dem Bahnhofe noch bis etwa 1883 als Hohlweg fort und mündete in die Biesnitzer Straße, die schon 1630 erwähnt wird ) - zu einer Hauptstraße von 44 Fuß Breite ausgebaut ). Noch bis 1886 ragte ein alter Stadtgarten, gehörig dem Kaufmanne Billert, über den Bürgersteig ins Straßengelände. 1848 wurde die Salomonstraße ebenfalls auf 44 Fuß verbreitert ). Der nördliche Teil der jetzigen Berliner Straße von der Hospitalgasse bis zum Postplatz und über ihn hinaus wurde noch 1880 laut Adreßbuch zur Solomonstraße gerechnet. 1883 erscheint die Berliner Straße, die seit 1933 Adolf-Hitler-Straße heißt, in ihrer jetzigen Ausdehnung.

In der Berliner Straße Nr. 1 ff. lag auch ein besonderes Krankenhaus (das Siechhaus). Die Front war nach dem Plane (jetzt Postplatz) gerichtet. Seine Entstehung reicht bis 1536 zurück, wo es an die Stelle einer Scheune, die ehedem Joachim Frenzel besaß, gebaut wurde ). Es stand zunächst unter der Verwaltung des Frauenhospitals, dann seit 1618 der Stadt selbst ). Die Chroniken erzählen von einem Umbau 1573 ). 1544 und 1617 nennt man es das Neue Haus vor dem Frauentore ). 1641 zündete es der Schwedische Oberst Wanke vor der Belagerung an. 1676 hören wir von einem Bau. Im Siechhause fanden arme kranke Leute und versorgungsbedürftige Kinder Unterschlupf. Als 1818 die Stadt eine Garnison bekam, geschah ein Anbau, und das Gebäude wurde mit für kranke Soldaten eingerichtet. 1844 wurde es abgebrochen und neu aufgebaut und für das Militär zur Verfügung gestellt. Als es unzulänglich wurde, kaufte man an der Heiligengrabstraße für einen Neubau ein Gelände, und hier erstand auf der Nummer 39 in den nächsten Jahren 1869-1871 ein stattlicher Bau ). Gegenüber diesem Siechhaus und Militärlazarett baute man 1843/44 dort, wo jetzt die Nummern Berliner Straße 62 und 63 liegen (882), „zweckmäßig und brillant“ ein neues städtisches Krankenhaus. Als sich dies beim Wachsen der Stadt als zu eng und unzulänglich erwies, errichtete man an der Girbigsdorfer Straße 1/3 im Jahre 1900 ff. ein neues großzügiges Krankenhaus. Das frühere Gelände Ecke Berliner und Mittelstraße nach Süden hin wurde an Privatleute verkauft, nach dem Postplatz zu aber ein städtisches Verwaltungsgebäude (Sparkasse und Stadtbank) errichtet. Ein neues Siechhaus wurde 1872 hinter dem Zentralhospital geschaffen ).

Von der Berliner Straße zweigt sich, nach Nordwesten gehend, die Mittelstraße (seit 1933 Horst-Wessel-Straße) ab. Sie hieß bis 1850 die Kuhgasse. Sie war fast überall eine Feldgasse und hauptsächlich in ihrem Teile nach der Bautzener Straße so schmal, daß kaum die Wagen sich ausweichen konnten. 1843 geschah eine Verbreiterung ). Die Bebauung geschah seit 1847 ).

 

Literatur:

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