Bei der Peterskirche 9

Das Pfarrhaus Bei der Peterskirche 9 wurde früher das Primariat genannt, weil dort zumeist der „Pastor primarius“, also der „erste Pfarrer“ seinen Wohnsitz hatte.
In katholischer Zeit hatten die Stadtpfarrer und auch seine Kapläne an der Nikolaikirche ihre Behausung. Nach Einführung der Reformation und nach Niederreißung des alten Gebäudes an der Nikolaikirche im Jahre 1532 brachte der Rat die Geistlichen bei der Peterskirche unter.
Die früheste überlieferte Darstellung des Pfarrhauses auf einem Holzschnitt stammt von 1565. Die Ursprünge des Baus jedoch reichen weiter zurück, wie man aus dem mittelalterlichen Keller schließen kann. Von Umbauten späterer Zeit zeugen die Fenstergewände der Renaissance und das barocke Portal.
Im Inneren des Hauses befinden sich noch heute gotische Schulterbogenportale, mit Akanthuswerk bemalte Holzbalkendecken, Renaissancegewände und ein erdgeschossiges Tonnengewölbe. Sehenswert und vom Straßenraum erlebbar sind die Figurengruppe mit dem Schweißtuch der Veronika unter der Traufe Hainwald und der Engel mit dem Kreuz an der Hoffassade.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Bei der Peterskirche 9 (329), Ecke des Hainwaldes Nr. 6, wird jetzt gemeiniglich das Primariat genannt, weil dort zumeist der Pastor Primarius wohnte. In katholischer Zeit hatten der Stadtpfarrer und auch seine Kapläne an der Nikolaikirche ihre Behausung. Nach Einführung der Reformation und nach Niederreißung des alten Gebäudes an der Nikolaikirche 1532 brachte der Rat die Geistlichen bei der Peterskirche unter; weil diese nun zumeist verheiratet waren und Familien gründeten, mußten die Räume größer sein. Einen Teil hierzu boten die Häuser der Altaristen für die Georgskapelle. Der fromme Stadtschreiber Bereit von Jüterbog hatte nämlich 1465, als er in der Georgenkapelle ein Gestifte für die sieben Gezeiten de passione Christi schuf, auch Wohnungen für die amtsführenden Altaristen am Eingange zum Hainwalde herstellen lassen, und diese machte der Rat sich zunutze. Es wurden da zwei ganz besondere Wohnungen eingerichtet und unterhalten. Das Feuer hat sie (1479) 1525 und 1717 arg mitgenommen, Knauthe ) erzählt, daß der Pastor primarius ehedem in der Gasse neben dem Eckhause in Hainwald 7 (330) gewohnt habe, wo 1682 der Primarius Michael Fetter die Inschrift anbrachte: „Struxerunt alii nobis, nos posteritati / Omnibus at Christus stravit ad astra viam.“ Als 1712 Johann Samuel Laurentius Pastor primarius wurde, beliebte ihm diese Primariuswohnung nicht, sondern er bezog die nebenstehende, an der Ecke gelegene Archidiakonuswohnung ), seit welcher Zeit das Eckhaus für den obersten Geistlichen als Behausung diente ).

Auch im 19. Jahrhundert haben die Primarii keineswegs dort immer ihren Sitz gehabt. An das Eckhaus schließen sich Namen an wie Christoph Seyfert (gest. 1702), Sigmund Redlich (gest. 1760), Gottlieb Christian Giese (gest. 1788), Joh. Christian Jancke, KR. E. Bürger u.a.; bei Hainwald 7, das seit 1875 in Privatbesitz überging, fallen uns ins Gedächtnis Balthasar Dietrich (gest. 1676), Caspar Gottlieb Feller (gest. 1729), Matthäus Friedrich Ruthel (gest. 1774), Johann Gottfried Mosig (gest. 1818), Karl Gottlieb Schuricht, Johann Ernst Kosmehl u.a.