Bei der Peterskirche 1

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Bei der Peterskirche Nr. 1 (305) ist ein alter Brauhof, dessen Seitengebäude an der Krebsgasse liegt. Er brannte 1642, 1691 und 1717 nieder. Er hat ein Barockportal mit der Aufschrift: „Multas inter calumnias“ (unter vielen Verleumdungen). Die Erbauerin ist Jungfrau Christina Florentine Scholtzin, die 1723 das Haus an Regina Täschner verkaufte. Um 1750 besaß den Brauhof der Kaufmann Ludwig Wilhelm Brehmer (gest. 1754), dann seine Witwe Anna Dorothea, geb. Urban. Als nach der Schlacht bei Hochkirch der große Friedrich am 25. Oktober 1758 nachmittags in Görlitz einritt, schlug er das im Hause der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften vorbereitete Nachtlager aus und suchte sich selbst eins. So ritt er denn „ohne einige Anleitung“ durch die Petergasse und trat in das Haus der Frau Brehmer. Er begrüßte die Frau mit den Worten: „Gehorsamster Diener, Madame, ich werde ein Quartier bei Ihnen nehmen“, ist auch die wenigen Stufen in die Vorderstube, wo die Frau Brehmerin wohnte, hinaufgestiegen und hat sich daselbst einlogiert, blieb aber nur eine Nacht da und verlegte sein Quartier in des Rektors Baumeister Garten (Heiligegrabstraße 20). Als 1893 der Kaiser Wilhelm II. Görlitz besuchte, ließ der damalige Besitzer, der Fuhrenunternehmer Louis Lehmann, den Alten Fritz Schlecht und recht abmalen und hängte das Bild an die Straßenseite, jetzt sieht man es im Hausflur. 1906 kaufte das Gebäude die Stadt.